Daten und Denken in der Krise

Wenn wir in Krisensituationen Daten nutzen, spielt sich in unseren Köpfen meist ein Konflikt ab. Unser Gehirn hat nämlich zwei „Persönlichkeiten“ oder Systeme:

1. das impulsive, automatisch und intuitiv funktionierende System (System 1)

2. das analytisch, bewusst und rational operierende System (System 2)

 

Denken in der Krise

 

In der Krise befinden wir uns im Überlebensmodus und wollen dementsprechend schnell denken und handeln.

Um herauszufinden, wie die zwei Systeme in Ihrem Gehirn funktionieren, versuchen Sie bitte einmal, das folgende Problem zu lösen: Ein Brot und eine Tüte kosten zusammen 1,10 €. Das Brot kostet 1 € mehr als die Tüte. Wie viel kostet die Tüte?

0,10 € ist die Antwort, die Ihnen vermutlich sofort in den Sinn kommt: Für diese Eingebung ist das intuitiv und automatisch funktionierende System 1 verantwortlich.

Diese Antwort ist aber falsch.

Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und rechnen die Aufgabe durch. Erkennen Sie jetzt den Fehler? Die korrekte Antwort lautet 0,05 €. Denn 1,05 € für das Brot und 0,05 € für die Tüte ergibt eine Summe von 1,10 € und die Differenz zwischen Brot und Tüte beträgt genau 1 €!

Beide Systeme mit ihren Wechselwirkungen und Interdependenzen bestimmen unsere Denkweise und somit auch, wie wir aus Daten bzw. Informationen Wissen erschließen und Urteile und Entscheidungen fällen.

Damit haben die beiden Systeme direkt und indirekt erhebliche Auswirkungen auf unser Denken, Entscheiden und Handeln in der Krise.

 

System 1: Intuitiv und schnell arbeitend

System 1 gehört dem Teil unseres Gehirns an, der intuitiv und schnell arbeitet – häufig ohne unsere bewusste Steuerung. Dieses System kommt zum Einsatz, wenn wir z. B. ein unerwartetes Ereignis auftritt. Wie reagieren wir? Sofort richtet sich unsere Aufmerksamkeit automatisch auf die Ereignisquelle: der Autopilot hinter dieser Reaktion ist das System 1. Es ist ein Vermächtnis unserer evolutionären Vergangenheit: Es verschafft uns Überlebensvorteile, da es uns zu raschen Urteilen und damit auch Handeln befähigt.

 

System 2: Selbstkontrolle und wohldurchdachte Entscheidungen

System 2 kommt zum Einsatz, wenn wir uns selbst und unsere Umwelt reflektieren. Es generiert bewusste Handlungen wie Selbstkontrolle, wohldurchdachte Entscheidungen und eine gezielte Fokussierung unserer Aufmerksamkeit. Wenn wir z. B. ganz bestimmte Daten oder Muster in einer Datenmenge suchen, beschäftigt sich unser Gehirn willentlich mit dieser Aufgabe: Es ruft sich Erkennungsmerkmale dieser Daten in Erinnerung und erwägt alle Informationen, die bei ihrem Auffinden weiterhelfen könnten.

Was passierte bei der bekannten Brot-Tüte Rechenaufgabe? Das impulsive System 1 übernahm die Kontrolle und lieferte eine automatische, intuitive Antwort. Die Antwort war jedoch übereilt. Wenn das System 1 mit einer Aufgabe konfrontiert wird, die es überfordert, zieht es im Normalfall System 2 zur Lösung des Problems heran. Jedoch führte das Brot-Tüte-Problem System 1 in die Irre, sodass System 1 das Problem als einfacher wahrnimmt, als es tatsächlich ist. Es geht fälschlicherweise davon aus, es könne die Aufgabe alleine lösen.

Unser Gehirn urteilt ohne die richtigen und alle relevanten Daten, die für rationale Urteile notwendig sind, zu schnell. Priming, Bias, falsche Erinnerungen und fehlerhafte Risikoeinschätzungen können dabei einen unheilvollen Multiplikatoreffekt verursachen.

Nun verstehen wir besser, warum Berater und Manager in der Krise nicht selten relevante Unternehmensdaten ignorieren und ohne diese suboptimale Entscheidungen fällen.

 

Daten und Denken in der Krise

Wir wissen nun auch, worauf wir bei unserer Entscheidungsfindung in der Krise besser achten sollten, wenn wir Überleben und Erfolg sicherstellen wollen: auf die sorgfältige Suche, Aufbereitung und Analyse relevanter Daten. Um eine solche sicherzustellen und sich nicht auf das intuitive System 1 zu verlassen, spielt ebenfalls die Auswahl der richtigen Datenspezialisten eine große Rolle.

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