2025 war ein Jahr, das viele Erwartungen erfüllt – und manche schneller verändert hat, als wir es Anfang des Jahres gedacht hätten. Für die Insolvenzverwaltung war es ein Jahr der digitalen Konsolidierung, aber auch der strategischen Neuausrichtung und der regulatorischen Weichenstellungen. Diese werden mittel- und langfristig erhebliche Auswirkungen auf Verfahren und Praxis haben.
In diesem Rückblick fassen wir die wichtigsten technischen, regulatorischen und strategischen Entwicklungen zusammen. Mit Blick auf Kanzleien, Insolvenzverwalter und digitale Tools, die bereits heute den Unterschied machen.
1. Mehr Verfahren, mehr Daten – und mehr Druck auf Effizienz
Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in der Insolvenzlandschaft wider: Für 2025 wird ein starker Anstieg der Unternehmensinsolvenzen prognostiziert – auf den höchsten Wert seit über einem Jahrzehnt in Deutschland. Die Zunahme betrifft insbesondere viele KMUs, aber auch Industrieunternehmen und Automobilzulieferer. Sie leiden unter strukturellen Belastungen, Bürokratie und Regulatorik sowie hohen Personal- und Energiekosten und haben mit Kreditrestriktionen zu kämpfen. (Reuters)
In Kombination mit der steigenden Komplexität von Verfahren bedeutet dies für Insolvenzverwalter: mehr Daten und mehr Anforderungen an Transparenz und Geschwindigkeit.
2. Digitalisierung als Dauertrend – KI, EDS & digitale Analyse
Ein zentrales Thema 2025 war die Etablierung intelligenter Systeme im Insolvenzalltag:
- Künstliche Intelligenz (KI) wurde zunehmend operationalisiert: nicht mehr nur als theoretisches Potenzial, sondern als praktische Unterstützung in Analyse- und Entscheidungstools, die große Datenbestände schneller und präziser auswerten als manuelle Verfahren. Viele unserer Beiträge in diesem Jahr zeigen, wie KI-basierte Systeme stille Muster und Risiken erkennen und damit Entscheidungsspielräume erweitern.
- Electronic Discovery Systeme (EDS) haben weiter an Bedeutung gewonnen. Besonders in Verfahren mit hohen Datenvolumen oder komplexen Kommunikationsstrukturen findet EDS selbst in riesigen Datenbeständen sehr schnell Auffälligkeiten und stellt Zusammenhänge her.
- Lösungen wie digiANF wurden in immer mehr Verfahren eingesetzt, um Anfechtungs- und Haftungsansprüche digital zu konsolidieren und zu analysieren – ein entscheidender Effizienztreiber in datenintensiven Verfahren.
Diese Entwicklungen zeigen: Digitalisierung ist nicht länger „nice-to-have“, sondern mittlerweile ein operativer Standard, der Tempo, Präzision und strategische Erkenntnisse liefert.
3. Projektmanagement & Datenstrategie als Wettbewerbsfaktor
2025 hat sich klar gezeigt: Wer Daten nicht nur besitzt, sondern intelligent steuert, gewinnt im Verfahren:
- Durch die Kombination aus Projektmanagement und digitalem Datenmanagement lassen sich Fristen, Dokumente und Prozessschritte effizient orchestrieren – mit positiver Wirkung auf Qualität und Verwertungsquoten.
- Strukturierte Datenauswertung hilft nicht nur bei klassischen Buchungs- oder E-Mail-Daten, sondern auch bei der Analyse von Geschäftsmodellen, Lieferketten und finanzwirtschaftlichen Mustern – und schafft damit eine entscheidungsfähige Informationsbasis für Insolvenzverwalter.
Es hat sich in allen Projekten gezeigt, wie wichtig ein ganzheitlicher digitaler Ansatz ist – von der Datenextraktion über Sicherheit bis zur transparenten Steuerung aller Verfahrensschritte.
4. Regulatorisches: Digitalisierung und Harmonisierung im Blick
Auch auf der regulatorischen Ebene gab es 2025 einige digitale Fortschritte:
- Die Digitalisierung der Insolvenzgerichte wurde weiter vorangetrieben – ein Meilenstein, der die Kommunikation zwischen Gerichten, Insolvenzverwaltern und Beteiligten digital verankert. (bak-inso.de)
- Das Gesetz zur weiteren Digitalisierung der Justiz hat neue Rahmenbedingungen gesetzt, die in den kommenden Jahren spürbar werden. (bak-inso.de)
- Auf EU-Ebene wurde eine vorläufige Einigung zur Harmonisierung der Insolvenzrechtsregeln erzielt. Ziel ist es, grenzüberschreitende Verfahren zu vereinfachen. Dabei gilt es Investitionshemmnisse abzubauen, europaweit vergleichbare Standards zu schaffen und einen genormten Datenaustausch zu ermöglichen. (Reuters)
Diese Entwicklungen werden die Insolvenzwelt langfristig prägen und bieten zugleich Chancen – etwa durch schnelleres grenzüberschreitendes Daten- und Informationsmanagement.
5. Trends, die 2026 fortbestehen
Abschließend lassen sich die Schwerpunktthemen festhalten, die 2025 geprägt haben – und die das Jahr 2026 mitbestimmen werden:
✔ Digital first – Digitalisierung ist kein Projekt mehr, sondern Standard
✔ Datenstrategie gewinnt strategische Bedeutung – nicht nur für die Analyse, sondern auch für Steuerung und Risiko
✔ Regulatorik folgt der digitalen Realität – mit bundes- und europaweiten Reformen
✔ Effizienz entscheidet über Erfolg – sowohl technisch als auch organisatorisch
Das Jahr 2025 war ein Jahr des technischen Aufbruchs, der strukturellen Anpassung und der strategischen Neuvermessung. Wer diese Trends früh erkennt und implementiert hat, schafft nicht nur Effizienz, sondern echte Zukunftsfähigkeit.
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