Die 5 Arten der digitalen Datensicherung: Welche eignen sich in Krisenunternehmen?

Für die digitale Datensicherung in Insolvenzen, Sanierungen und Restrukturierungen (ISR) bieten sich verschiedene Vorgehensweisen an. Dabei muss je nach Krisenunternehmen entschieden werden, welches Verfahren eingesetzt werden sollte.

Die folgenden 5 Arten der Datensicherung können zu einem strukturierten Datenmanagement und z.T. auch zur Erstellung revisionssicherer Daten beitragen.

 

1. Forensische digitale Datensicherung

Die forensische digitale Datensicherung umfasst eine strenge methodische Archivierung von Computern sowie die Datenanalyse der Datenträger und ihrer Inhalte. Dabei sollen erstellte, aber auch gelöschte oder versteckte Daten gefunden werden, die Aufschluss über konkrete Handlungen und Vorfälle geben.

digitale datensicherung für insolvenzen

Der Zweck der forensischen digitalen Datensicherung ist die Erstellung von gerichtsfesten Nachweisen. Sie erlaubt es, vor Gericht im Zweifelsfall eine lückenlose Beweiskette vorzulegen.

Der Nachteil ist, dass der Aufwand für die forensische Datensicherung enorm hoch ist. Als Verantwortlicher eines ISR-Projekts sollten Sie daher abwägen, inwiefern die Datensicherung sinnvoll ist. Wenn sie notwendig wird, sollten Sie bei der Umsetzung auf erfahrene Dienstleister und eine wirtschaftliche Vorgehensweise besonderen Wert legen.

Bislang kommt diese Art der Archivierung aufgrund des finanziellen und praktischen Aufwands nur selten in Krisenunternehmen zum Einsatz.

 

2. Operative digitale Datensicherung

Bei der operativen digitalen Datensicherung steht die Wiederherstellung von Daten zu einem klar definierten Zeitpunkt im Vordergrund. Allerdings hat sie durch den konkreten “Wiederherstellungszeitpunkt” den Nachteil, dass Änderungen wie auch neu-erstellte Daten zwischen diesem Zeitpunkt und heute nicht wiederhergestellt werden können.

Außerdem wird für die Wiederherstellung eine identische Hard- und Softwareumgebung benötigt. Da diese Voraussetzung in realen ISR-Projekten nur selten vorzufinden ist, ist die operative digitale Datensicherung hier in der Regel nicht sinnvoll nutzbar.

 

3. Transaktionale digitale Datensicherung

Die transaktionale digitale Datensicherung dient der Sicherung von Transaktionen und Vorgängen mit Bewegungsdaten und zugehörigen Stammdaten.

Mithilfe dieser gesicherten Stamm- und Bewegungsdaten lassen sich Analysen und Prognosen erstellen, wie z.B. die Bestimmung eines kurzfristigen Materialbedarfs im Rahmen einer Materialbedarfsplanung. Diese Art der Datensicherung kann eine ergänzende Dokumentation, jedoch keine ganzheitliche darstellen. Sie bietet somit auch nur begrenzt Revisionssicherheit und ist nicht uneingeschränkt für ISR-Zwecke zu empfehlen.

In Verbindung mit einer langzeitigen digitalen Datensicherung (siehe unten) kann sie Vorteile bieten: Unter anderem findet sie bei der Datenbereitstellung und -migration bei Unternehmenstransaktionen oder für die Implementierung eines Business Intelligence-Systems Anwendung.

 

4. Datenorientierte digitale Datensicherung

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Bei der datenorientierten digitalen Datensicherung steht die Möglichkeit der Wiederherstellung von Datenbanken im Vordergrund. Dadurch kann ein „Application Database Retirement”, also das Stilllegen und die Archivierung von Datenbanken, erzielt werden, durch die sich potenziell erhebliche Kosten einsparen lassen.

Sofern die rechtlichen Anforderungen unproblematisch und die Risiken gering sind, lässt sich dieses Verfahren in ISR-Projekten anwenden. Als Verantwortlicher des Projekts würden Sie bei IT-Systemen mit Rechnungswesen oder Rechtsbezug bzw. bei Regelinsolvenzen aber große rechtliche Risiken eingehen. Das ist insbesondere der Fall, wenn der Zugriff der Finanzverwaltung auf kritische Daten nach dem Abschalten der IT-Anwendungen mit den dazugehörigen Datenbanken nicht mehr möglich ist. Hinzu kommt, dass das Verfahren mit einem eher großen Zeitaufwand und vergleichsweise hohen Kosten verbunden ist.

 

5. Langzeitige digitale Datensicherung

Die langzeitige digitale Datensicherung ist eine Kopie eines gesamten IT-Systems zu einem definierten Zeitpunkt. Im Idealfall wird hier eine Anwendung mit der jeweiligen Datenbank auf einem Computer mit einem einzigen Betriebssystem gesichert. Oft handelt es sich aber auch um viele Computer mit verschiedenen Betriebssystemen, Anwendungen, Datenbanken und Netzwerken.

Diese Art der Datenarchivierung erfüllt durch ihren “Scope” (Inhalt, Umfang, Zeitbezug) und die Art und Weise des Verfahrens die Kriterien der Revisionssicherheit.

 

Diese Art der digitalen Datensicherung ist in Insolvenzen, Sanierungen und Restrukturierungen am sinnvollsten

Nur die langzeitliche digitale Datensicherung erfüllt alle Bedingungen für Revisionssicherheit. Ohne revisionssicher archivierte Daten läuft jeder Verantwortliche eines ISR-Projekts Gefahr, sich großen Haftungsrisiken auszusetzen. Hinzu kommt, dass eine fehlende langfristige digitale Datensicherung bzw. konkrete fehlende Daten zu einem Scheitern des ganzen Projekts führen können.

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